5 Gründe für aprica blogging. Oder: Einfach mal machen.

Seit 1. Januar 2013 stelle ich mich der Herausforderung, jede Woche einen Blogpost zu schreiben oder fünf Euro in eine gemeinsame Bierkasse einzuzahlen: Ich wurde “iron bloggerin” – hauptsächlich natürlich, um mich mit diesen tollen Menschen zu treffen und mit ihnen die Bierkasse zu leeren, aber eben auch, weil ich meine seit zwei Jahren brachliegende wordpress-Installation endlich mit Leben füllen möchte.

Bloggen, die iron blogger berlin und das Bier sind dabei natürlich nicht nur Selbstzweck oder guter Vorsatz (trotzdem praktisch, der Jahreswechsel!).

Warum also mache ich das hier?*

1.

Um Impulse zu verbreiten und zurückzubekommen: Projekte, die ich umsetzen möchte, oder Ideen, die andere inspirieren könnten, werde ich in dieses Notizblog schreiben, damit sie nicht im Twitterrauschen untergehen.

Denn: nicht alles kann ich sofort machen, viele Ideen schon gar nicht alleine umsetzen. Hier kann ich sie zusätzlich zu face-to-face-Gesprächen teilen, damit sie durchsuch- und findbar werden. Ich hoffe, dadurch Feedback zu bekommen und Menschen zu finden, die mitmachen möchten, die ähnliche Ideen haben, die vielleicht sogar die Umsetzung selbst in die Hand nehmen möchten oder die mich zumindest ab und zu an Dinge erinnern.

Ganz nach “Sharing is caring” und “If you have an idea and write about it on the internet, that counts as a ghost of done“.

2.

Um einen eigenen Ort im Netz zu haben: Hier kann ich all das sammeln, was mich betrifft und was mich interessiert und niemand* kann es sperren, zensieren, löschen, mir den Zugriff auf meine älteren Beiträge erschweren – aus welchen Gründen auch immer.

Die Tendenzen der großen Player, sich abzuschotten, die ständigen Berichte über gesperrte Accounts oder “gefilterte” Inhalte in sozialen Netzwerken, der Kontrollverlust, was Features und Zugriff angeht, … all das führt bei mir nicht zu mehr Lust, mich ausschließlich auf Twitter, “Cloudanbieter” und Co. zu verlassen. Mein digitale Zuhause ist zwar sicher nicht perfekt, aber zumindest ein Schritt in die aus meiner Sicht richtige Richtung.

*Hacken, ddosen oder Providerfails mal fröhlich ignoriert – zu Blogsicherheit könnt ich auch noch ein eigenes Posting schreiben… (Interesse?)

3.

Um an der Herausforderung zu lernen: Über mich und euch, über’s Schreiben, über alles andere.

Grundsätzlich finde ich es gut, Gedanken und Zusammenhänge möglichst knapp zu formulieren, 140 Zeichen begleiten mich seit 2008 und sie reichen für viele Dinge – aber eben doch nicht für alles. Das zeigt sich immer mehr in sich aufschaukelnden Diskussionen, in sich wiederholenden Argumenten, in Entrüstungsstürmen wegen Kleinigkeiten… Phasenweise macht es mir immer weniger Spaß, meine Twitter-Timeline zu lesen oder zu kommentieren. Hier im Blog habe ich Gelegenheit, Dinge auch einmal ausführlicher aufzuschreiben, um sie dann verlinken zu können. Ich möchte also trotzdem keine Romane schreiben, sondern meine Gedanken in einfachen Worten zum Bildschirm zu bringen. Dann kann in den Kommentaren diskutiert werden – übersichtlich und für andere nachvollziehbar. (Das Ganze bringt mich btw auch dazu, wieder RSS-Feeds in meine Lesegewohnheiten integrieren zu wollen. Gibt’s mittlerweile etwas besseres als Google Reader?)

Außerdem: Ich möchte auch andere Texte als Aufrufe und Ankündigungen schreiben können, die tatsächlich freiwillig gelesen werden. Das bin ich nicht gewöhnt und an diese Herausforderung möchte ich mich herantasten. Lerning by doing also.

Ich dachte auch immer, dass mir nie Themen für’s Blog einfallen: Für Privates bin ich zu sehr Aluhut, über Politisches haben immer schon andere(tm) alles Notwendige gesagt und überhaupt, es gibt doch noch Gemeinschaftsblogs wie Netzpolitik.org oder Carta, wenn ich doch mal das Bedürfnis habe, etwas zu schreiben. Jetzt merke ich, ich hab tausend Ideen für das Blog: eigene Projekte, recommended readings, Inspirationsquellen, kleine Veranstaltungsankündigungen und so weiter. Es muss eben kein großer und ausgefeilter (Meinungs-)artikel sein.

4.

Um einfach mal anzufangen: Viele meiner Versuche, das Blog in Angriff zu nehmen, sind gescheitert, weil anderes wichtiger oder die Hürde zu groß schien und das Design/der Inhalt/[your Ausrede here] nicht perfekt war. Jetzt hab ich also einfach mal angefangen und es direkt veröffentlicht. Soll helfen, hilft auch.

Design kommt einfach später, Blogroll und about und Kontakt und $allesandere auch. Texte kann man auch nach dem “publish”-Klick noch editieren. Release early, release often. Oder eben: einfach mal anfangen…

5.

Hatte ich das Bier* und die tollen MitbloggerInnen schon erwähnt?

*Rhabarberschorle ist wohl auch erlaubt…

 

***

Falls jemand von euch tatsächlich immer noch daran zweifelt, sofort ein Blog aufzumachen:

Schöne Inspirationsquellen bieten Sascha Lobos Vortrag bei der letzten re:publica, der 2012 zum Jahr der Blogs ausrief (kurioserweise ohne Blogpost), sowie Johnny Haeuslers Aufruf auf Spreeblick, im Jahr 2013 das Web zurückzuerobern (inkl. Nachbetrachtung).

Und am besten hilft natürlich: werdet Teil des weltweiten iron blogger-Netzwerks! In immer mehr deutschen Städten gibt es Menschen, die gern Bier trinken und (wieder) mehr bloggen wollen und daher iron blogger-Treffen gründen. Und falls es in eurer Region noch keins gibt: Die Regeln darf man einfach kopieren und selbst eins anfangen.

 

* Vieles hiervon ist trivial und muss eigentlich nicht extra aufgeschrieben werden. Zur Selbstvergewisserung mache ich es trotzdem – und vielleicht hilft es ja auch anderen. Ein Teil dieses Postings soll nach Feedback auf meine about-Seite wandern.

Ein Versprechen gegen frauenlose Panels

Die inspirierendste Enddeckung dieses Wochenende ist für mich der Blogpost des jüdischen Soziologieprofessors Shaul Kelner zu seiner “Mitzvah of Egalitarianism”. Er wird oft eingeladen, Vorlesungen zu halten und auf Konferenzen als Speaker dabei zu sein. Vor zwei Jahren gab er einer feministischen jüdischen Organisation das Versprechen, nur noch zuzusagen, wenn mindestens eine Frau mit auf dem Programm steht. Die gesellschaftliche Frage dahinter:

What message does an all-male panel send about who is valued, who is worth listening to, who has something important to contribute to a conversation?

Das Prinzip ist denkbar einfach: Immer, wenn Shaul Kelner für eine Panelteilnahme angefragt wird, fragt er die Veranstalter, wer sonst eingeladen wurde. Sollte keine Frau unter den Namen sein, erklärt er sein Versprechen:

You couldn’t find any women to teach? Look, I’d love to join the program, but I’ve made a pledge not to participate in all-male panels. And anyway, do you really want to send the message that there are no qualified women?

Spannend ist sein Eindruck, dass dieses Versprechen viel leichter von KonferenzorganisatorInnen als gutes Argument akzeptiert wird, als wenn er es nur als seine private Idee oder Wahl darstellt.

Das ist eine tolle Methode, um die Bemühungen gegen frauenlose Panels von einer weiteren Seite her zu verstärken. Und sie bekam auch direkt einiges an Resonanz. Als öfter mal Panel Besetzende helfen mir solche Initiativen, wie auch z.B. die Speakerinnen-Liste von netzfeminismus.org (davon gibt es hoffentlich bald eine Version 2.0), die vielen offenen Briefe an “frauenfreie” Konferenzen und der Angewohnheit, immer nach Ersatzvorschlägen zu fragen, wenn ich eine Absage bekomme.

Michael Seemann (@mspro) lebt das Prinzip übrigens bereits seit einigen Monaten. Umso schöner, dass es jetzt noch mal einen Impuls gibt, es zu verbreiten. Martin Oetting (@oetting) und Daniel Kruse (@dkomm) machten sich das Versprechen direkt zu eigen und nach ein paar Tweets haben wir festgestellt, dass so ein Versprechen auch im deutschsprachigen Raum Nachhall verdient und ein Blogpost/Aufruf hermuss:

Männer, wenn ihr euch also beteiligen möchtet, und versprecht, in 2013 nur noch an nicht komplett männlich besetzten Panels und Konferenzen teilzunehmen oder diese zu moderieren, verewigt Euch gern in den Kommentaren oder schreibt eigene Blogposts/Tweets/etc. darüber.

(Und genauso können sich natürlich Frauen beteiligen, die zu vermeintlichen Frauenthemen nicht mehr ohne Männer diskutieren wollen.)

 

* hat jemand Ideen für eine nicht zu hochtrabend aber auch nicht zu unwichtig klingende Übersetzung für pledge? (edit: Verpflichtung ginge auch, klingt aber in der Titelformulierung nicht so toll…)

Hallo Welt!

Willkommen auf meinem neuen Notizblog. Dies ist der erste Beitrag, den ich einfach stehen lasse, damit es nicht so leer ist. Um Spam zu vermeiden, muss dein erster Kommentar freigeschaltet werden. So, und nun genug geschwafelt – jetzt nichts wie ran ans am Design Rumbasteln Bloggen!